Narada und der Bauer - Namaste

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Narada und der Bauer

Bunte Geschichten aus der Welt
Der Bhakta Narada taucht immer wieder in den indischen Offenbarungsschriften auf. Es heisst, dass er in ewig jugendlicher Gestalt zu allen Zeiten und durch alle materiellen und spirituellen Welten reist. In Gottesliebe versunken, spielt er auf seinem lautenähnlichen Instrument, der Vina, deren Ton in den Herzen der Lebewesen die unverhüllte göttliche Liebe erweckt.

Narada tritt als Schüler, als Lehrer, als ewiger Freund und Diener Gottes auf. Verspielt scheint dieser Weise, der oftmals im freudigen Eifer sein eigenes Wesen fast vergessend, die Rolle des Unwissenden, des Strauchelnden annimmt - und so anderen unvollkommeneren Wesen durch sein Beispiel den Weg zum Heil weist.

Von einem dieser Spiele erzählt die folgende Geschichte ...


Wie Narada Muni durch die Welten schweifte und schliesslich zu den Lotosfüssen Sri Vishnus gelangte, da ergriff ihn unversehends der Hochmut. Selbstzufrieden sein Dasein überschauend, meinte er, es gäbe keinen frömmeren Menschen als ihn. Sri Vishnu, der sich im Herzen eines jeden Lebewesens befindet, kannte diesen Gedanken und sprach zu ihm: “Mein lieber Narada. Bestimmt bist du ganz erpicht darauf, einen grossen Heiligen und wahren Jünger von mir kennenzulernen. Gehe deshalb dort an jenen Ort und suche den Bauern, der dort mit seiner Familie lebt. Lerne von ihm, auf dass du vom Glück begünstigt werdest.”

Voller Erwartungen begab sich Narada an den bezeichneten Ort und fand den Bauern. Wie ihm geheissen war, liess er sich nieder und beobachtete dessen Tun, um daraus zu lernen. Der Bauer erhob sich in aller Frühe und arbeitete den ganzen Tag mit seinem Pflug auf dem Felde bis der Abend hereinbrach, und er zurück in sein Heim ging. Narada konnte nichts Aussergewöhnliches feststellen, ausser dass der Bauer zweimal am Tage den Namen Sri Vishnus aussprach, ohne sein Pflügen zu unterbrechen. Er dachte bei sich: “Wie kann dieser Bauer ein Heiliger sein? Ich sehe, wie er seinen weltlichen Pflichten nachgeht. Nichts deutet darauf hin, dass er besonders fromm oder weise wäre.”

Narada Muni kehrte daraufhin zu Sri Vishnu zurück und erzählte Ihm, was er bei dem Bauern beobachtet hatte und was er davon hielt. Lächelnd entgegnete Sri Vishnu: "Nun denn, Narada. Nimm eine randvoll mit Öl gefüllte Schale und geh mit ihr einmal um die ganze Stadt. Komm dann zu mir zurück, aber achte aufmerksam darauf, dass du nicht einen Tropfen verschüttest.”

Verwundert zwar, aber voller Entschlossenheit, kam Narada der Aufforderung nach. Schritt für Schritt sorgfältig abwägend, setzte er einen Fuss vor den anderen, immer peinlich darauf bedacht, nicht einen Tropfen Öl aus der Schale zu verlieren. Endlich am Abend hatte er seinen Rundgang beendet und kehrte zu Sri Vishnu zurück.

Dieser begrüsste ihn freundlich und fragte ihn alsdann: “Und? Wie ist es dir ergangen? Hast du einen Tropfen Öl verschüttet?“
“Gut ist es mir ergangen, oh Herr. Keinen einzigen Tropfen habe ich verschüttet!” antwortete Narada Muni stolz.
“Oh, sehr schön. Und wieviele Male hast du denn beim Rundgang auch an Mich gedacht?”
Beschämt erwiderte Narada: “Nicht ein einziges Mal, Herr. Wie hätte ich das tun können, da ich doch meine ganze Aufmerksamkeit auf diese bis zum Rande mit Öl gefüllte Schale richten musste?”

Sri Vishnu antwortete darauf: “Diese eine Schale mit Öl nahm deine Aufmerksamkeit so sehr in Anspruch, dass du mich darüber völlig vergassest. Nun schau dir diesen Bauern an, auf den du eitel herabblicktest. Obgleich die gewaltige Bürde seiner weltlichen Pflichten auf ihm lastet, erinnert er sich täglich zweimal an Mich.”


 
renate.kaderli (K-Affe) ourswiss (Punkt) ch
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